ISLAND 2017 | mein Reisebericht

November 19, 2017


Irgendwie kann ich es kaum glauben, dass unsere Reise nach Island nun schon fast ein halbes Jahr her ist (und ich bisher keinen richtigen Post dazu geschrieben habe)! Jedes Mal, wenn ich Fotos oder Videomaterial davon anschaue, kommen wieder so viele Erinnerungen und Emotionen in mir hoch; manchmal muss ich sogar ein paar Tränchen zurückhalten. Ich kann nicht richtig in Worte fassen, wie unfassbar mich die Insel in den Bann gezogen hat. Es ist fast, als hätte ich wirklich einen Teil meines Herzens dort gelassen. Normalerweise freue ich mich darauf, jedes Jahr ein anderes Land zu besuchen und immer etwas Neues zu entdecken, aber seitdem ich Island gesehen habe, möchte ich eigentlich nur noch dorthin. Mein Fernweh nach der Landschaft, der Ruhe, den Schafen und den Schotterstraßen ist riesig! Und weil da draußen sicher noch mehr Leute sind, die es nach Island zieht und für die mein Erfahrungsbericht wohl ganz hilfreich sein könnte, möchte ich heute endlich mal ein paar Hintergrundinformationen zu meiner Reise teilen.

Im Februar diesen Jahres entschieden Philipp und ich, dass uns unsere Sommerreise von Ende Mai bis Mitte Juni 2017 nach Island führen sollte. Wir hatten also etwa vier Monate Zeit, alles zu organisieren. Bereits im Sommer habe ich einen eher oberflächlichen Post darüber geschrieben, wie ich die Reise geplant habe beziehungsweise, worauf ich beim Planen von Reisen allgemein achte. Ich möchte hier aber noch mal näher auf ein paar grundlegende Dinge und natürlich auch auf Details eingehen. Wahrscheinlich wird dieser Post daher auch meilenlang...


 PLANUNG & BUCHUNG

Unsere Planung begann in erster Linie mit einer Liste von Orten und Sehenswürdigkeiten, die wir auf Island besuchen wollten. Wir stellten das Netz auf den Kopf, laßen Reiseführer, schauten zahlreiche Videos an und erstellten letztendlich mit Google My Maps eine Karte, auf der wir all unsere Ziele eintrugen. Danach überlegten wir wochenlang, ob es sinnvoll wäre, mit der Fähre von Dänemark über die Färör auf die Insel zu fahren, aber am Ende haben wir uns aus mehreren Gründen dagegen entschieden. Stattdessen buchten wir bei Air Berlin passende und vergleichsweise günstige Flüge für unsere 19-tägige Reise. 

Intuitiv hatten wir uns von Anfang an dazu entschieden, dass wir die Insel in der Zeit komplett gegen den Uhrzeigersinn umrunden wollten. Dafür braucht man natürlich einen geeigneten Mietwagen. Zwar gibt es auch einige Busverbindungen und wir haben auch Tramper gesehen oder gar Leute, die die Insel mit dem Rad umrundet haben, aber mit dem Auto oder dem Camper geht es doch am besten. Wir entschieden uns sowohl gegen den Camper als auch gegen einen hochlandtauglichen, aber deutlichen teureren Allradwagen und buchten stattdessen einen Kleinwagen über eine Mietwagen-Vergleichsseite. 

Übrigens hängt das geeignete Fahrzeug nicht nur davon ab, ob man beispielsweise ins Hochland fahren möchte, sondern sehr stark auch von der Jahreszeit, in der man Island besucht. Da wir ja im Frühling dort waren, waren fast alle Hochlandstraßen noch nicht befahrbar, wodurch sich ein Allradwagen für uns nur bedingt gelohnt hätte. Zwar bietet ein 4x4 auf den Schotterstraßen deutlich mehr Komfort, aber diese sind auch mit Kleinwagen befahrbar. Wer allerdings im Sommer hinfährt und plant, auch das Landesinnere/Hochland zu erkunden, für den ist ein 4x4 ein Muss! Oder aber auch im Winter ist ein Allradwagen wegen der schwierigen Straßenverhältnisse sehr empfehlenswert. Aber mehr zu den Straßen später!

Nachdem also Flug und Auto gebucht waren und wir eine grobe Route vor Augen hatten, machten wir uns an die Buchung der Unterkünfte. Diese buchten wir vorwiegend über Airbnb. Hier wünschte ich noch immer, wir hätten sehr viel eher mit der Buchung angefangen! Denn obwohl wir noch in der Zwischensaison reisten, waren viele der günstigeren Übernachtungsmöglichkeiten sehr schnell ausgebucht und so mussten wir auf teurere Alternativen ausweichen. Insgesamt buchten wir sieben verschiedene, über das ganze Land verteilte Unterkünfte, den Großteil davon für jeweils drei bis vier Nächte. Bereits an unserem dritten Tag auf Island haben wir festgestellt, dass wir die Entfernungen zwischen den einzelnen Orten deutlich unterschätzt haben. Beim nächsten Mal würden wir noch mehr verschiedene Unterkünfte buchen, die deutlich näher beieinander sind. Denn 300 km auf Island fährt man nicht mal eben so in drei Stunden, wie das in Deutschland möglich ist. Vorallem nicht, wenn man entlang des Weges noch ungefähr zehn Sehenswürdigkeiten (aka Wasserfälle) anschauen möchte. Wir haben übrigens vorwiegend in kleinen Gästehäusern gewohnt, in denen wir ein eigenes Zimmer zum Schlafen hatten, aber uns Küche und Bad mit anderen Gästen geteilt haben. Für uns boten diese Unterkünfte genug Privatsphäre, aber gleichzeitig hatten wir auch die Möglichkeit, einige Gastgeber und andere Reisende kennenzulernen und uns auszutauschen. 

Die Mehrzahl der Leute, die wir auf Island kenngelernt haben, verbrachten übrigens gerade mal sieben bis zehn Tage auf der Insel. Für uns kaum vorstellbar! Denn selbst in 19 Tagen konnten wir uns längst nicht alles ansehen, was das Land zu bieten hat! Theoretisch ist es möglich und viele schaffen es auch, die Insel in einer Woche komplett über die sogenannte ring road (die Ringstraße mit der Nummer 1) zu umruden, empfehlen würde ich persönlich es aber nicht. Denn so bleibt kaum Zeit, mal wirklich genauer nach links und nach rechts zu schauen.

STRASSEN & AUTOFAHREN

Bleiben wir am besten gleich beim Thema. Straßen auf Island sind echt so eine Sache für sich. Selbst erfahrene Autofahrer sollten diese nicht unterschätzen, besonders nicht die F roads, die man nur mit Allradwagen befahren darf. Aber auch die normalen Straßen sind aufregend genug, da muss man gar nicht erst auf einer F ins Hochland fahren wollen, um Abenteuer zu erleben. Wir hatten, wie gesagt, einen Kleinwagen und sind mit diesem einmal komplett um die Insel gedüst. Wider meines ignoranten Erwartens sind wir doch im Laufe der Reise über ziemlich viele, ziemlich lange Schotterstraßen gefahren. Je nach gegebenen Straßenverhältnissen wird man da in einem Kleinwagen natürlich ordentlich durchgeschüttelt, selbst wenn man nicht die auf Schotter erlaubten 80 km/h fährt. Sogar einige Abschnitte der ring road, die praktisch die große Hauptstraße ist und einmal um die Insel führt, sind nur geschottert und nicht asphaltiert. Auf den Asphaltstraßen darf man außerhalb von Ortschaften in der Regel 90 km/h fahren, wodurch man doch für weitere Strecken deutlich länger braucht, als zum Beispiel auf den Autobahnen bei uns in Deutschland. Ich hatte das Gefühl, dass Isländer sich selten an diese Geschwindigkeitsbeschränkung halten und mit Vorliebe in Kurven überholen, aber zu schnelles Fahren kann echt teuer werden! Wir haben von einem Pärchen gehört, die mit 110 km/h in eine Kontrolle gefahren sind und dafür umgerechnet 300€ blechen mussten.

Etwas, was ich noch nie in einem anderen Land gesehen habe, sind die auf Island weit verbreiteten einspurigen Brücken (einbreið brú). Bevor man eine solche Brücke befährt, muss man auf möglichen Gegenverkehr achten, denn dort hat immer derjenige Vorfahrt, der die Brücke zuerst erreicht. Außerdem sind wir im Norden der Insel noch durch einspurige Tunnel (einbreið göng) gefahren, die noch mal einen Zacken spannender waren. Eine Fahrtrichtung hatte in diesen Tunneln Vorrang, die andere Richtung hatte in regelmäßigen Abständen Buchten im Fels, in die bei Gegenverkehr ausgewichen werden musste.

Übrigens: in vielen Teilen des Landes laufen Schafe sehr nah entlang oder auch einfach mal quer über die Straße. Schafe haben immer Vorrang und besonders bei kleinen Lämmchen muss man hier aufpassen, da diese oft plötzlich noch der Mutter über die Fahrbahn folgen. Etwas, was mir außerdem noch aufgefallen ist: viele Leute halten mit ihrem Auto einfach mitten auf der großen Straße an und springen raus, um Fotos zu machen. Wir hatten eine Situation, in der wir wirklich extrem bremsen mussten, um einem solchen haltenden Auto nicht hineinzufahren. Sowas kann echt extrem gefährlich werden. Ich weiß, wie verlockend es ist, einfach anzuhalten, weil die Landschaft an jeder Ecke so toll aussieht, aber bitte Leute - seid rücksichtsvoll und bringt euch und andere nicht unnötig in Gefahr.

 AUSFLUGSZIELE & SEHENSWÜRDIGKEITEN

Apropos sich und andere unnötig in Gefahr bringen - auch an Sehenswürdigkeiten ist mir vielerorts aufgefallen, dass Leute einfach Absperrungen ignorieren, über Barrieren klettern und sich an den Rand des Abgrundes stellen, nur um möglichst tolle Fotos machen zu können. Dass sie sich damit gefährden und auch noch der teilweise schon sehr mitgenommenen Natur schaden, ist den meisten Leuten dabei anscheinend entweder nicht bewusst oder aber einfach vollkommen egal. Besucher sollen doch auch in 30 Jahren noch etwas von der Schönheit der isländischen Wasserfälle haben können und nicht nur eine vollkommen zerstörte Natur vorfinden, also bitte seid achtsam. Außerdem ist es auch einfach nur dumm, für eine Aufnahme sein Leben zu riskieren. Island hat so viel zu bieten, da will man nicht an seinem ersten Tag in den Gullfoss stürzen, glaubt mir. 

Auch wenn Island immer touristischer wird und jährlich mehr Besucher auf die Insel kommen, sind weite Teile des Landes (noch lange) nicht auf diesen Touristen-Ansturm vorbereitet. Das Land hat einfach nicht die Kapazität, all die tollen Sehenswürdigkeiten zu überwachen und dafür zu sorgen, dass die Menschenmassen eine gute Zeit haben, aber nicht alles kaputttrampeln. Irgendwie ist das ja auch das Schöne daran. Dass eben noch nicht alles vollkommen touristisch erschlossen ist und nicht aus jedem Wasserfall Profit geschlagen wird. Aber wir als Besucher müssen eben auch dazu beitragen, dass dies so bleiben kann. Dass man auch in Zukunft noch so viel atemberaubende Natur genießen kann.

Vielleicht sollte ich aber auch ein bisschen was über die tatsächlichen Ziele und Sehenswürdigkeiten schreiben, statt nur Moralapostel zu spielen. Wir haben die Insel ja, wie bereits erwähnt, einmal gegen den Uhrzeigersinn umrundet. Gestartet sind wir vom Flughafen aus über die Halbinsel Reykjanes, an Miðlína und Gunnuhver vorbei, in Richtung Südküste. Von unserer Unterkunft aus, die wir in der Nähe von Selfoss hatten, haben wir in den ersten Tagen den Golden Circle und die bekanntesten Ziele entlang der südliche Küste erkundet: Þingvellir, Geysir, Gullfoss, Seljalandsfoss, Seljavallalaug, Skógafoss, Reynisfjara, Fjaðrárgljúfur, Svartifoss und Jökulsárlón. Im Süden und Westen der Insel befinden sich die meisten Sehenswürdigkeiten, weswegen dort auch die meisten Touristen anzutreffen sind. In den darauffolgenden Tagen wurde unsere Reise ein wenig entspannter, denn in den Ostfjorden erwarteten uns lange nicht so viele Highlights und dementsprechend war auch weniger los. Was nicht heißen soll, dass es dort nichts zu sehen gibt! Aber es war ganz schön, mal ein paar Tage fernab von Reisebus-Gruppen und tausenden von bekannten Sehenswürdigkeiten zu verbringen. Wir wanderten zum Hengifoss, beobachteten Papageitaucher in Borgarfjörður und machten einen Spaziergang durch Seyðisfjörður, bevor uns unsere Reise vorbei am Dettifoss, dem Mývatn und dem Goðafoss weiter in den Norden führte. Von Akureyri aus führten uns unsere Ausflüge zur Mitte unserer Reise nach Húsavík und Dalvík, wo wir Wale beobachten konnten, wenn auch nur von der Küste aus. Wir besuchten Glaumbær, den Grettislaug und den Hvítserkur, dann ging es weiter Richtung Westen. Dort verbrachten wir einen Tag mit der Fahrt durch die Westfjorde zum Dynjandi, erkundeten die Halbinsel Snæfellsnes und genossen die Ruhe in einem Tal mitten im Nirgendwo, umgeben von Schafen. Schließlich brachen wir auf zur letzten Etappe unserer Reise, die uns in die Hauptstadtregion führte. Auf dem Weg dorthin besuchten wir noch die Hraunfossar und wanderten zum Glymur. Unseren vorletzten Tag verbrachten wir in Reykjavík und der näheren Umgebung, wobei wir schnell feststellen mussten, dass die Großstadt nach fast drei Wochen in der Natur doch ziemlich überwältigend ist. Bevor es an unserem letzten Tag dann abends mit ein paar Tränchen in den Augen zurück zum Flughafen ging, machten wir noch mal eine Rundfahrt über die Halbinsel Reykjanes, um die Reise praktisch so abzuschließen, wie wir sie 19 Tage zuvor begonnen hatten.

Meine persönlichen Highlights der Reise waren auf jeden Fall: die unzähligen Wasserfälle, die praktisch überall von den Bergen strömten - der Dynjandi in den Westfjorden war meiner Meinung nach der beeindruckendste; die heißen Quellen - vorallem der Grettislaug im Norden des Landes war herrlich abgelegen und unfassbar warm; einfach stundenlang mit dem Auto über leere Straßen durch die sich ständig ändernde Landschaft zu fahren und immer wieder anzuhalten, um die Umgebung, die Ruhe und die Friedlichkeit zu genießen. Nie vergessen werde ich unseren ersten Tag auf der Halbinsel Reykjanes, an dem wir total überwältigt waren von der Kargheit der vulkanischen Gesteinsfelder. Auch der Tag, an dem wir 4 Uhr in der Früh aufstanden, um von Stokkseyri entlang der Südküste über 400 km nach Höfn zu fahren und auf der Strecke noch ungefähr acht Zwischenstopps bei Sehenswürdigkeiten einzulegen, wird mir immer im Gedächtnis bleiben.


REISEAUSSTATTUNG & NÜTZLICHES

Island ist, besonders im Vergleich zu Deutschland, doch ziemlich teuer. Lebensmittel kosten beispielsweise locker 30 % mehr als bei uns. Am günstigsten einkaufen kann man bei der Supermarktkette Bónus, deren Filialen in den größeren Städten (besonders in der Hauptstadtregion) zu finden sind. Bargeld braucht man eigentlich kaum, da man praktisch überall mit Kreditkarte bezahlen kann/muss. Wir hatten umgerechnet etwa 35 € in bar dabei und sind damit locker hingekommen, wobei man dazu sagen muss, dass wir wirklich sehr sparsam unterwegs waren. Wir haben fast ausschließlich selbst gekocht und uns vorwiegend von Reis, Nudeln, Kartoffeln und Brot ernährt. Aus Deutschland hatten wir uns für die ersten Tage beispielsweise eine Packung Nudeln, Kekse und Tee mitgenommen. Das würde ich auch immer wieder so tun! Pro Person darf man - sofern ich mich recht erinnere - bis zu 2 kg an Lebensmitteln einführen (außer Käse, Wurst, Eier etc).

Unbedingt achten sollte man darauf, dass man angemessene Kleidung einpackt! Denn selbst im Sommer ist es auf der Insel verhältnismäßig kalt und das Wetter ist sehr wechselhaft. Warme und regendichte Kleidung sind hier ein Muss; Shorts, Sandalen und kurze Kleider können getrost zuhause bleiben. Wie viele Leute ich auf Island gesehen habe, die unfassbar unpassend gekleidet waren und frierend an den Sehenswürdigkeiten standen... Wanderschuhe, Regenjacke und Schal sollten im Koffer landen! Aber auch die Badesachen dürfen unbedingt eingepackt werden, denn bei kühler Luft in einer heißen Quelle zu baden, ist unfassbar angenehm!

Zur Navigation auf der Insel empfehle ich, im Voraus eine passende Google Offlinekarte herunterzuladen. Auf den Handyempfang sollte man sich nicht zu sehr verlassen, denn der kann teilweise sehr schlecht sein. Einige Autovermietungen bieten auch die Ausleihe von Navigationsgeräten an, was meiner Meinung nach aber überflüssig ist. Wir waren noch ganz oldschool mit einer Autokarte im Maßstab 1:400.000 ausgestattet und sind damit wunderbar zurechtgekommen. Auf unserer Karte waren viele Sehenswürdigkeiten und beispielsweise auch Tankstellen eingezeichnet, was sehr hilfreich war.

Und zu guter Letzt habe ich hier noch zwei nützliche Webseiten, die wir während unseres Aufenthaltes sehr häufig genutzt haben: vedur.is - dort findet man Wettervorhersagen und Meldungen zu Erdbeben und möglichen seismischen Aktivitäten (man sollte nicht vergessen, dass man sich auf Island praktisch auf einem riesigen Vulkan aufhält!) und road.is - eine Übersicht der aktuellen Straßenverhältnisse auf der Insel - dort kann man schauen, ob die geplante Route überhaupt passierbar ist und man kann zum Beispiel auch sehen, wie stark sie derzeit befahren ist.

(Herzlichen Glückwunsch! Du hast es zum Ende dieses Posts geschafft! Ich glaube, ich hab noch nie einen solch langen Blogpost verfasst. Aber zu Island habe ich einfach so viel zu erzählen, wahrscheinlich hätte ich locker noch mal so viel schreiben können!)

You Might Also Like

1 comment/s